Treuchtlinger Kurier 6.4.2010: Bürgerversammlung in Dietfurt Ja zur Umgehung und nein zum Biber Für die B2-Umfahrung zeichnet sich eine gemeinsame Richtung ab – »Widerstand» gegen größeres Biber-Areal
DIETFURT (sta) – Bei der gut besuchten Bürgerversammlung in Dietfurt gab es nach dem allgemeinen Teil einige längere Diskussionen. Die Hauptthemen: die Dietfurter B2-Umgehung und die Biber-Problematik.
Ortssprecher und 2. Bürgermeister Richard Zäh begrüßte in der vollbesetzten Holdenried-Gaststube neben dem kompletten Ortsausschuss viele interessierte Bürger. Sie hörten zunächst das Referat von Bürgermeister Werner Baum. Dieser bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Ortsausschuss und allen aktiven Vereinen im Dorf, bevor er wie in allen Ortsteilen die allgemeinen Zahlen und Fakten zur Stadt präsentierte. Zu den lokalen Einwohnerzahlen bemerkte er, dass diese 2009 auch in Dietfurt von 401 auf nun 395 gesunken sind.
Außerdem ging Baum auf das neue Hochschulprojekt ein, auf dessen Bedeutung und die Folgen für die Stadtentwicklung. So werde die Stadt nun ihr Logo möglicherweise noch einmal überarbeiten müssen. Sie sei nun nicht mehr nur Thermen-, sondern auch Hochschulstadt. Darüber werde man aber noch diskutieren. Er hoffe, dass die Hochschule auch den Trend der sinkenden Einwohnerzahlen in Treuchtlingen stoppen kann.
Wie in etlichen Ortsteilen hatte Baum auch Stadtwerke-Chef Andreas Eder im Gefolge, der dafür warb, dass die Dietfurter ihren Strom von den Treuchtlinger Stadtwerken beziehen. Damit bleibe die Wertschöpfung in der Stadt, und das Geld komme letztlich den Bürgern zugute. Anhand einer Tabelle zeigte er, dass der Strompreis der Stadtwerke konkurrenzfähig sei.
Das Hauptthema der Diskussion im Anschluss an die beiden Vorträge war zunächst die Dietfurter Umgehung. So bemerkte ein Bürger, dass man von dieser derzeit wenig höre, und das angesichts steigender Verkehrszahlen und wachsenden Lärms. Man müsse diskutieren, welche Lösung man wolle. Wenn nicht diskutiert werde, werde sich auch nichts bewegen.
Bürgermeister Baum erläuterte den Status Quo, nämlich dass das Straßenbauamt vom Bund den Auftrag habe, bis zur Fortschreibung des Fernstraßenausbauplans eine Lösung zu erarbeiten. Er selbst habe um eine »intelligente Lösung» gebeten. Dabei machte Baum klar, dass er nicht an den Bau einer Westumfahrung glaube, schon wegen der hohen Kosten durch die vielen Brückenbauwerke. Er plädierte deshalb für einen »bedarfsberechten Ausbau» durch Dietfurt, wollte dies aber nur zur Diskussion stellen.
Es entstand eine lebhafte Debatte rund um das Thema. Der Tenor: Viele können sich eine große Einhausung mitten durch das Dorf schwer vorstellen. Viele glauben aber auch nicht mehr an eine Westumfahrung, und etliche sind der Meinung, dass eine solche dem Dorf gar nicht so viel Lärmentlastung bringen würde.
Deshalb kam eine »Tunnellösung» wieder aufs Tablett. Zumindest kamen die Dietfurter an diesem Abend so weit, dass sie sich einig werden wollen, was man im Dorf konkret will. »Was anderswo möglich ist, sollte auch in Dietfurt möglich sein», sagte Baum – nämlich eine Untertunnelung der Altmühl. Er zeigte sich außerdem überzeugt, dass die Tunnellösung bei der ersten Berechnung der Varianten künstlich hochgerechnet worden sei. »Ich kann nicht glauben, dass die ganzen Brückenbauwerke günstiger als ein Tunnel wären.» Besonders vehement plädierte Stadtrat Dr. Walter Heberlein für einen Tunnel. Er bemerkte, dass derartige Lösungen in Norddeutschland gang und gäbe seien.
Richard Zäh wandte ein, dass den Bürgern und Politikern beim letzten Planspiel die Untertunnelung ausgeredet worden sei, weil sie zu teuer sei, und man deshalb auf die Westumfahrung gekommen sei. Er glaube mittlerweile aber auch nicht mehr an Letztere. Grundsätzlich waren sich alle Anwesenden einig, das Thema zu forcieren. Die Stimmung war klar, nämlich in Richtung einer Untertunnelung der Altmühl zu plädieren.
Nach dieser ausführlichen Diskussion stand das zweite »große Dietfurter Thema» im Mittelpunkt: der Biber. So beklagten die Bürger einmal mehr, dass die Flächen um das Ried immer mehr vernässen, und fragten, ob das nun so bleiben solle. Bürgermeister Baum erklärte dazu, dass die Dämme mehrmals geräumt worden seien, dies nun aber vom Landratsamt verboten worden sei. Man könne nicht sagen, wie es weitergeht. Der Biber nehme überhand, so Baum. Deshalb plädiere er auch für das Biberprojekt.
Richard Zäh sagte, dass er das Thema eigentlich nicht mehr hören könne. Demnächst gebe es wieder ein Gespräch mit der Regierung. Die Dietfurter seien sich aber einig, dies alles nicht einfach so hinnehmen zu wollen. Zäh verwies auf ein Luftfoto, das in der Stadtverwaltung zu bewundern sei. Dort könne man das ursprünglich ein Hektar große Biotop bewundern, das von den Dietfurtern freiwillig angelegt worden sei. Heute seien es bereits 20 Hektar.
»Wann will man gegensteuern?», fragte Zäh. Man könne in dem Bereich nicht mehr mähen, und die vernässten Flächen würden noch nicht einmal den Störchen zugute kommen, wie Untersuchungen ergeben hätten. Er jedenfalls werde dafür kämpfen, dass das Bibergebiet nicht weiter ausgedehnt wird: »Es wird Widerstand geben.»
Baum verwies auf das Landratsamt, das zuständig sei. »Es wird immer gesagt, man müsse reden. Behörden reden aber nicht», bemerkte daraufhin ein Bürger. Es gab noch etliche heftige Vorwürfe gegen die Ämter, dass man nur vertröstet und von einem zum anderen geschoben werde. Die Diskussion endete letztlich ergebnislos – aber mit der Erkenntnis, dass der Unmut in Dietfurt ungebrochen ist.
Neben den beiden Hauptthemen kamen noch viele weitere Punkte zur Sprache. So wollen die »Schneckenhöfer» einen Kinderspielplatz. Dies soll im Rahmen einer Ortsbegehung ausgelotet werden. Die Dorfjugend appellierte an die Ortsvereine, beim Maibaum zu helfen, da derzeit junge Männer im Ort Mangelware seien. Auch die rund 40 Jahre alte und defekte Feuerwehrpumpe wurde angesprochen. Sie sei nicht – wie von anderen Wehren kolportiert – wegen fehlender Wartung defekt, sondern aus Altersschwäche. Einige Bürger beklagten sich über zunehmenden Lärm vom Franken-Schotter-Bruch und schlugen vor, dass zur Abhilfe vor der Abbruchkante ein Wall aufgeschüttet werden könnte.
Hubert Stanka
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Treuchtlinger Kurier 29.10.2009: Dauerthema auch im Dietfurter Ried Biber-Konflikt spitzt sich offenbar zu Richard Zäh mit klaren Worten gegen FDP-Kreisrätin und Verwaltungen – Projekt kostet fast 900.000 Euro DIETFURT (sta) – Wenn das Thema Biber eine Fortsetzungsserie im Fernsehen wäre, dann würde sie mittlerweile der «Lindenstraße» Konkurrenz machen, so viele Folgen sind bereits gelaufen. Nach der Demonstration der betroffenen Anlieger aus Dietfurt, Schambach und Osterdorf bei der letzten Kreistagssitzung und strittiger Aussagen der FDP-Kreisrätin Sigrid Niesta-Weiser steht nun der Dietfurter Ortssprecher und Bauernverbands-Funktionär Richard Zäh wieder auf der Matte. Er machte bei einem Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass das Thema «Biberlebensraum» noch lange nicht vom Tisch sei und die betroffenen Grundstückseigner sicher nicht klein beigeben werden.
Zunächst wettert Zäh gegen seine Kreistagskollegin Niesta-Weiser: «Ich weiß ja nicht, woher sie ihre Informationen hat, aber die Aussagen zu den Zahlen, die sie getätigt hat, sind schlicht falsch. Ob sie das bewusst gemacht hat oder ob sie von interessierter Seite in die Irre geführt wurde, weiß ich nicht.» Niesta-Weiser hatte ihrerseits von «gezielten Desinformationen» durch die Bibergegner gesprochen und erklärt, dass die angeführte Summe von 530.000 Euro sich auf die Gesamtprojektzeit von zehn Jahren beziehe.
Tatsächlich, so kann Zäh belegen, steht in dem Projektplan, um den es geht, folgender Passus: «Auf der Basis einer groben ersten Kalkulation werden die Gesamtkosten des Projekts auf ca. 580.000 Euro für einmalige Maßnahmen (Flächenkauf, Biberlehrpfad und Projektmanagement) und jährlich 31.750 Euro für wiederkehrende Maßnahmen geschätzt». Das ist allerdings ziemlich eindeutig. Über die Gesamtlaufzeit geht man also bei dem Projekt von Kosten in Höhe von 897.500 Euro aus (580.000 Euro plus zehn Mal 31.750 Euro).
«Außerdem», so Zäh weiter, «sind wir gar keine Bibergegner.» Vielmehr wolle man dem Nager ja die als Biotop freiwillig einst zugedachte Fläche belassen. Die betroffenen Bauern würden sich aber dagegen wehren, wenn diese Flächen über ihre Köpfe hinweg laufend ausgeweitet und die Schäden kleingeredet werden. «Mich wundert es schon, dass derart unqualifizierte Aussagen von einer FDP-Politikerin kommen, wo doch die FDP eigentlich als Partei der Marktwirtschaft und des Privateigentums bekannt ist.» Zäh weiter: «Unser Grund und Boden, der uns seit vielen Generationen gehört, wird uns schleichend enteignet.»
Neues Flurbereinigungsverfahren?
Als neuestes Beispiel, wie aus seiner Sicht über die Köpfe der Bauern hinweg gehandelt wird, führt Zäh ein Treffen von Behörden an, das es am vergangenen Montagnachmittag gegeben haben soll. Was genau dort besprochen worden ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Zäh geht aber davon aus, dass für den gesamten Bereich möglicherweise ein neues Flurbereinigungsverfahren angeordnet werden soll, um einen Weg aus dem Schlamassel zu finden. «Auch da würden wieder nur wir zur Kasse gebeten werden», so Zäh. «Das lehnen wir strikt ab. Diejenigen, die die Probleme mit dem Biber verbockt haben, sollen gefälligst für den Schaden aufkommen.» Zäh meint damit den Staat und die ihm untergeordneten Behörden. Und er kritisiert heftig, dass die Betroffenen wieder nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen würden.
Er fragt sich auch generell, warum nun womöglich ein Flurbereinigungsverfahren angeordnet werden soll. Das könne doch nur den Grund haben, nämlich dass man die Landwirte aus den betroffenen Flächen vertreiben wolle. Zäh sieht das als eine Hauptkritik in der ganzen Sache: «Bislang hat noch niemand klar und offen gesagt, dass man die Landwirte aus diesen Flächen heraus haben will.» Immer werde hintenherum argumentiert, anstatt klar die Ziele zu benennen.
Zäh und seine Mitstreiter sehen das Projekt und dessen unausgesprochenes Ziel wie folgt: 240 Hektar sollen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen und dem Biber als Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. «Das entspricht der Größe von fünf größeren Bauernhöfen, und das angesichts immer knapper werdender landwirtschaftlicher Flächen in Deutschland», so Zäh. «Wir wollen die über Jahrhunderte gewachsene und von unseren Ahnen geschaffene Kulturlandschaft erhalten und keine Biberbiotope auf unseren Wiesen und Feldern.» Die 900.000 Euro könnte man laut Zäh wesentlich sinnvoller verwenden, z.B. für Projekte, die Kindern, Jugendlichen und Senioren zugute kommen.
Der Dietfurter kritisiert generell die bisherige Taktik der Behörden und Verbände, und er schimpft über den einen oder anderen Verwaltungsangestellten, «die von der Praxis keine Ahnung haben.» So helfe es z.B. nicht, wenn bestehende Biber-Dämme nur mit der Baggerschaufel 30 Zentimeter heruntergedrückt werden dürfen. «Das hält nicht einmal einen Tag lang. Der Biber baut das über Nacht wieder auf.» Außerdem werde man mit Aussagen abgespeist, dass der hohe Wasserstand ja keine Auswirkungen auf die umliegenden Flächen habe, weil z.B. ein Flurbereinigungsweg dazwischen verlaufe. «So ein Quatsch – wenn Verwaltungsleute so etwas behaupten, dann wissen sie einfach nicht, wovon sie reden.» Der gesamte Grundwasserpegel in dem betroffenen Bereich sei laut Zäh gestiegen, was starke Auswirkungen auf alle landwirtschaftlichen Flächen in dem Bereich habe. Grundsätzlich würden die vorhandenen Ermessensspielräume in den Verwaltungen nicht ausgenutzt.
Neben Zäh sind praktisch alle betroffenen Grundeigner höchst erbost über den Status quo. Die Gruppe scheint sich langsam zu radikalisieren. Von mehreren Seiten wurde unserer Zeitung jedenfalls zugetragen, dass die Demonstration mit ihren immerhin rund 60 Teilnehmern noch lange nicht das Ende war. «Wir werden für unser Eigentum weiterkämpfen,» so Zäh.
Als Lösungsansatz kommt für die Mehrzahl der Grundeigner nur die ständige gezielte Entfernung von Dämmen in Frage, wenn diese landwirtschaftliche Flächen beeinträchtigen – und zwar nicht auf Kosten der Grundeigner, sondern auf Kosten des Staates. Außerdem soll der Biber ins Jagdrecht überführt und der Bestand gezielt auf einem Niveau gehalten werden, mit dem alle Beteiligten leben können.
Sigrid Niester-Weiser, von unserer Zeitung zu ihren Aussagen und dem ganzen Problemkreis befragt, meinte, dass sie generell großes Verständnis für die betroffenen Landwirte habe. 20 Jahre lang habe man diese immer wieder vertröstet. Sie würde es aber für einen großen Fehler halten, mit einer generellen Blockadehaltung dieses Biber-Projekt zu verhindern. Denn letztlich sei es die einzige Chance, zu einer Verbesserung der Situation zu kommen. Nur im Rahmen dieses Projekts würden staatliche Gelder in den Landkreis fließen, die letztlich den Landwirten zugute kämen. Sollte das scheitern, wäre das nach ihrer Auffassung ein grober Verstoß gegen die Interessen der Bauern, so Niester-Weiser. Bezüglich der von ihr getroffenen Aussagen, blieb sie bei ihrer Darstellung, nämlich dass sich die 580.000 Euro auf den kompletten Projektzeitraum von zehn Jahren beziehen.
Hubert Stanka
Treuchtlinger Kurier 19.10.2009: Protest der Biber-Gegner vor dem Kreistag
GUNZENHAUSEN (psh) – «Wer den Biber hat, braucht für den Schaden nicht zu sorgen», «600.000 Euro für den Biber, für Kinder wären sie uns lieber» oder «Biber olé, Umgehung Dietfurt ade» – Mit Plakaten wie diesen, Trillerpfeifenlärm und lautstarken Slogans haben am Montag knapp 50 Landwirte und Bewohner der Treuchtlinger Ortsteile Dietfurt und Schambach die Kreistagsmitglieder vor dem Weißenburger Wildbadsaal empfangen. Und sie hatten mit ihrer Protestaktion zumindest teilweise Erfolg: Bei der anschließenden Verabschiedung des neuen Natur- und Umweltprogramms des Landkreises (wir berichteten) klammerten die Abgeordneten das Reizthema Biber nach erneuter erregter Debatte vorerst komplett aus. Zustande kam der Kompromiss – oder eher Aufschub – nicht zuletzt angesichts des im Gegensatz zum Umweltausschuss deutlich geteilteren Stimmungsbilds im Kreistag. Noch vor zwei Wochen hatten sich von den 13 Ausschussmitgliedern nur Richard Zäh, Artur Auernhammer (beide CSU) und Alfred Forster (FW) wegen der im Entwurf enthaltenen 10 000-Euro-Förderung für das Bayernnetz-Naturprojekt «Biberlebensraum Dietfurter Ried und Schambachried» gegen das Natur- und Umweltprogramm ausgesprochen. Ob es in der großen Runde jedoch eine ähnlich deutliche Mehrheit erhalten würde, schien Landrat Franz Xaver Uhl am Montag nicht mehr beschwören zu wollen. Wer hier «ein Zeichen setzen» und wegen des Bibers das gesamte Programm ablehnen wolle, wie es neben Zäh, Auernhammer und Forster auch Pleinfelds Rathauschef Josef Miehling (FW) und Treuchtlingens Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU) forderten, «schneidet den Landkreis zugleich von den Fördergeldern des Freistaats ab», kleidete Gunzenhausens Stadtoberhaupt Joachim Federschmidt (SPD) die Sorge des Landrats in Worte. Das Dietfurter und das Schambachried seien nun einmal «nur ein kleiner Teil des Natur- und Umweltprogramms». Und mit diesem hätten die betroffenen Landwirte eine größere Chance auf Entschädigung als als aussichtlose Einzelkämpfer gegen die Naturschutzgesetzgebung der EU. Neben den hinlänglich ausgetauschten Grundsatzargumenten für (bedrohte Tierart, Renaturierung, Ökotourismus) und gegen den Biber (Flurschäden, Verwilderung der Kulturlandschaft) drehte sich die Diskussion aber auch um den geplanten Flächenankauf durch Landkreis und Stadt Treuchtlingen sowie um eine mögliche Kollision des wachsenden Biberlebensraums mit einer künftigen B2-Umgehung von Dietfurt. Für letztere sieht Uhl jedoch sogar eher Vorteile in dem Naturprojekt. Denn Landkreis und Kommune falle es viel leichter als den privaten Eigentümern, beim Straßenbau Ausgleichsflächen zu schaffen. Zudem wies Kreiskämmerer Utz Löffler darauf hin, dass in den feuchten Altmühlauen viele Grundstücksbesitzer ihre Flächen nicht mehr bewirtschaften wollten oder könnten, sodass gerade deren Ankauf eine Art Entschädigung darstelle. Richard Zäh nannte dies stattdessen eine «schleichende Enteignung». «Wir verlieren jedes Jahr ein bis zwei Hektar an den Biber», beklagte der Dietfurter. «Die Nerven liegen blank, und das Vertrauen in Politik und Verwaltung haben wir längst verloren.» Noch deutlicher formulierte es Wolfgang Herrmann: «Das Biberprojekt im Raum Treuchtlingen und im Landkreis ist gescheitert.» Statt wie erhofft abzuwandern und andere Gebiete zu besiedeln, bleibe der Bibernachwuchs vor Ort und nehme zunehmend auch Fischteiche und Wassergräben in Beschlag. Auf die Kommunen kommen damit laut Josef Miehling immense Kosten zu, etwa für überflutete Radwege oder untergrabene Tennisplätze. Für den umstrittenen Nager sprang Treuchtlingens dritter Bürgermeister und Naturschutzfachmann Klaus Fackler (FW) in die Bresche. Er könne zwar «fast alles unterschreiben, was hier gesagt wurde», komme aber «zu anderen Schlüssen». Es gelte, mit dem nach EU-Recht streng geschützten Tier – das im Übrigen im Dietfurter und im Schambachried auch «viel Positives bewirkt hat» – friedlich zusammenzuleben. Und gerade dazu benötige der Landkreis das Bayernnetz-Naturprojekt. «Wir brauchen Lösungsansätze vor Ort. Nehmen wir also die Hände aus den Taschen und das Verfahren selbst in die Hand», appellierte Fackler an seine Kreistagskollegen. Wie dieses Miteinander aussehen könnte, skizzierte nochmals Kreiskämmerer Löffler. Der Projektentwurf sehe drei Zonen vor, von denen die öffentliche Hand nur die Kernzone als Biberlebensraum erwerben wolle. In Zone zwei werde der Nager dagegen entweder verdrängt oder mittels Naturschutz-Verträgen mit den Landwirten toleriert. Aus der äußeren Zone solle der Biber sogar durch das Abtragen von Dämmen, Schutzzäune und «einzelne Zugriffe» ganz vertrieben werden. Da der Freistaat drei Viertel der geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 530 000 Euro trage und die verbleibenden rund 120 000 Euro nochmals zur Hälfte von der Stadt Treuchtlingen übernommen würden, blieben beim Landkreis bei einer Laufzeit von zehn Jahren de facto nur etwa 6000 Euro jährlich «hängen». Ob dies letztlich so eintreten wird, steht nun allerdings noch in den Sternen. Der Kreistag verabschiedete das Natur- und Umweltprogramm zwar einstimmig, aber ohne das Bayernnetz-Naturprojekt «Biberlebensraum Dietfurter Ried und Schambachried». Das Budget verringert sich damit um 10 000 auf 105 500 Euro. Zur Bedingung für diese Lösung machte Landrat Franz Xaver Uhl, «dass wir innerhalb der nächsten zwei Monate ein Gremium bilden, das sich dann mit der Biberproblematik im gesamten Landkreis befasst».
Treuchtlinger Kurier 20.03.2009: Biberprojekt im Schambachried Ist jetzt ein Kompromiss greifbar? Bauern würden kleinerer Projektfläche zustimmen – Klaus Fackler würde Biber «zum Abschuss freigeben» DIETFURT – Zum Beginn der Vegetationsperiode kocht das Thema Biber wieder hoch. In Dietfurt trafen sich am vergangenen Mittwoch rund 30 betroffene Landwirte aus den Bereichen Dietfurt, Schambach und Osterdorf, um ihre Meinung zu dem geplanten Projekt «Biberlebensraum Schambachried» kund zu tun. Mit dabei war auch Klaus Fackler, Biberbeauftragter des Landschaftspflegeverbandes Ansbach, der die Bauern mit ganz neuen Aussagen überraschte. «Ich ärgere mich mit dem Viech nun schon seit 1994 herum. In unserer Region ist der Biber keine gefährdete Tierart mehr. Er müsste eigentlich ins Jagdrecht überführt und mit einem Abschussplan die Population reguliert werden», so Klaus Fackler gegen Ende der doch recht intensiven Diskussion. Das waren in den Ohren der betroffenen Landwirte überraschende Töne, denn genau das ist letztlich die Meinung der Bauern schon seit vielen Jahren. Allein, es ist rechtlich nicht umsetzbar, weil der Biber EU-weit als geschützte Art gilt und hier auch in Bayern keine Ausnahmen möglich sind. Außerdem wehren sich die Jäger dagegen, da sie nämlich plötzlich mit Schadenersatzforderungen konfrontiert wären. Das Thema Biber ist hoch komplex. Bekanntlich wurde das Tier in den 80-er Jahren vom Umweltministerium im Bayerischen Wald wieder angesiedelt, nachdem es in unseren Breiten schon lange ausgestorben war. Dann vermehrte sich der Nager fast explosionsartig und wird nun in manchen Bereichen für Land-, Forst- und Teichwirte zu einer regelrechten Plage. In Bayern sind die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Ansbach mit am stärksten betroffen. Der Biber, der aus wasserwirtschaftlicher Sicht sehr nützlich ist, nagt Bäume um und staut Bäche auf, was letztlich landwirtschaftliche Flächen vernässt. Er gräbt Löcher in Dämme und sorgt nicht zuletzt für Verbiss in Pflanzungen. Vor allem die Vernässung von Flächen verärgert die Bauern, da die Flächen oftmals nicht mehr bewirtschaftet werden können, und trotzdem gibt es dafür bislang keine Entschädigungen. Deshalb sprechen sie auch von «schleichender Enteignung». Die Reihe der Zuständigkeiten änderte sich im Laufe der Jahre ständig. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, als ob keine Behörde mit dem Thema richtig etwas zu tun haben will. Zunächst war es die Regierung, dann das Wasserwirtschaftsamt, dann das Landratsamt, und mit dem neuen geplanten Biberprojekt sollte es die Stadt Treuchtlingen werden, die das Thema betreut und sich letztlich mit dem Ärger herumschlagen soll. «Den letzten beißen die Hunde», so Richard Zäh. Genau das kritisierte Zäh, seines Zeichens 2. Bürgermeister Treuchtlingens, selber Landwirt und Sprecher der betroffenen Bauern. Er und alle Bauern befürchten, dass mit dem neuen Projekt nichts anderes erreicht werden soll, als dem Biber noch mehr Lebensraum zu schaffen und das gesamte Gebiet letztlich unter Naturschutz zu stellen. Die geplanten 246 Hektar Projektfläche wurden bei dem Treffen als viel zu groß bezeichnet. Diese Fläche habe die Größe von fünf ordentlichen landwirtschaftlichen Betrieben. Zäh schilderte den Werdegang des Projekts, das im vergangenen Oktober aus einem Treffen aller beteiligter Gruppen entstanden sei – also Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, Bauernverband, Bund Naturschutz und viele mehr. Er sei dann irritiert gewesen, dass ein daraus entstandener Entwurf ganz plötzlich im Stadtrat zur Abstimmung gestanden habe. Zäh erklärte auch, dass da einiges finanziell auf die Stadt zukäme und nannte die Projektsumme von 580.000 Euro. Klaus Fackler setzte sich dagegen vehement für das Projekt ein und stellte es als Chance dar, eben regulierende Maßnahmen finanziell gefördert zu bekommen. «Dort würde öfter mal ein Damm geräumt». Er sprach von einer möglichen Koexistenz von Biber und intensiver Landwirtschaft in diesem Rahmen, was Triesdorf belege. Das Gebiet sei lediglich eine Kulisse und kein Schutzgebiet. Rein rechtlich ändere sich nichts. Es werde aber intensiver beraten, würden leichter Lösungen gefunden, und es gebe feste Ansprechpartner. Fackler machte dabei klar, dass Biber im Extremfall auch abgefangen oder abgeschossen werden müssten, wenn sie in gefährlichen Bereichen tätig würden (z.B. Kläranlagen). Dieser gesamten Argumentation trauen die Bauern allerdings nicht über den Weg. «Wir glauben nichts mehr.» Und Zäh belegte das mit einem Beispiel aus dem Projektpapier. Dort steht nämlich, dass eine 3,5 Hektar große Fläche vom Straßenbauamt gekauft worden sei, «um sie biberfreundlich zu gestalten». Das befürchten die Bauern für das komplette Projektgebiet. Überhaupt fühlen sich die Landwirte mit ihren Problemen allein gelassen. Zu oft wurde in der Vergangenheit schon Abhilfe versprochen, und es war auch schon von Projekten die Rede, die dann letztlich doch nicht umgesetzt wurden. «Immer neue Projektgebiete», so Zäh, «irgendwann explodieren die Bauern. Wir müssen die Population begrenzen, und sie nicht noch weiter ausweiten.» An dem Abend war am Ende trotzdem so etwas wie Kompromissbereitschaft zu spüren. So schlugen die betroffenen Landwirte vor, dass der Biber in den Gebieten, in denen er jetzt lebt, ja bleiben könne. Von 30 bis 40 Hektar war die Rede. Aus dieser Fläche könne man ein Projektgebiet machen und sehen, ob es funktioniert. Wenn ja, könne man die Fläche danach ja weiter vergrößern. Und Klaus Fackler bot an, in dem Projektpapier in der Präambel ganz klar das Ziel der Populationsbegrenzung mit aufzunehmen. Er sprach allerdings von 100 Hektar Mindestgröße für solch ein Projekt, sonst könnte es nicht in das BayernNetz Natur aufgenommen werden. Diese beiden Haltungen standen schließlich bis zum Ende im Raum. Hubert Stanka
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